Bäume, Boote und Ruinen – das innere Selbst

Young Professional Heta Saukkonen auf den Spuren der Romantik im Stadtwald Greifswald. Foto: Hinzmann

In einem städtischen Setting Spuren von Romantik herauszupicken, war für die »Young Professionals« und mich eine enorme Herausforderung. Die finnischen Studenten hatten der ganzen Gruppe die Aufgabe gestellt, das innere Selbst auszugraben. Für diesen Job hatten wir uns Greifswald ausgesucht. Puuuh, was für ein Brocken.
 
Die niedliche Studentenstadt empfing uns mit dem gewohnt beschaulichen Anblick, obwohl die Finnen ganz hin und weg waren von den Eichen und Buchen, die sie so von zuhause nicht kannten. Die Baumrinde als Abbild innerer Zerrissenheit? Das geht allemal. Und so stapften wir durch den Stadtwald. Für mich sah das ja nur nach Bäumen aus, aber ich war ganz glücklich zu sehen, dass angehende Künstler ihre Inspiration auch nicht aus dem Handgelenk schüttelten.
 
Sie taten sich auch schwer mit dem zündenden Funken und brauchten einige Zeit, um mit dem selbst gesteckten Thema warm zu werden. Abstraktion ist schwer. Das Teil für das Ganze stehen zu lassen und dadurch die eigene Fantasie anzuregen. Was abstrakte Fotografie überhaupt ist, hat mir Wikipedia erklärt, hier: http://de.wikipedia.org/wiki/Abstrakte_Fotografie. Habt Ihr schon mal versucht, ein Thema zu abstrahieren oder fühlt ihr Euch selbst im Konventionellen am wohlsten?
 
Was bin ich froh, dass ich die Studierenden beobachte. Den speziellen Augenblick zu erhaschen, die Inspiration in ihren Augen aufblitzen zu sehen. Allerdings bin ich hinterher immer noch ein wenig in Lightroom und Photoshop zugange; und mich überracht ziemlich, dass das für die Künstler einigermaßen fremd ist. Für sie gilt das out-of-camera-Prinzip. Ich hätte jetzt auch erwartet, dass sie ekstatisch an den Rohdaten schrauben, aber keine Spur davon. Bäume, Boote und Ruinen - außer Farbkorrekturen und den klassischen Dunkelkammer-Techniken passiert wenig mit dem Rohmaterial. Dafür beobachte ich mit Spannung, wie sie ausgiebig mit Schärfe und Unschärfe spielen. 
 
Die Fotografie der Studenten ist überraschend und erfrischend ursprünglich. Keine Spur von Bildbearbeitungs-Diskussionen, wie ich sie aus vielen Foren kenne. Auch die Kameras sind bunt gemischt; von der kleinen Knipse bis zum MIttelformat ist alles vertreten, ohne große Fachsimpelei. Hier steht die Bildaussage im Vordergrund. So schön unbeschwert habe ich Fotografie selten erlebt.
 
 
Trees, boats, ruins – the inner self
 
It was challenging for me and the „Young Professionals“ to seek out hints of romanticism in an urban setting. It was the task the Finnish students had given their workshop-mates, they urged them to free their inner self. The playground was Greifswald. What a job!
 
The nice university town has welcomed us with the usual picturesque look, although the Finnish students were completely over the moon for the oak and beech trees they don’t know from their home-contry. The tree bark as mirror of a distorted soul? Why not! This is why we gaily crossed the woods in the Greifswald city. I simply saw only trees, but it was a relieving feeling for me to watch the coming to be artists struggling hardly for the initial spark. They also needed their time to familiarize themselves with the topic.
 
Admittedly, it is hard to abstract. To display the part for the whole and to spice your fantasy to add what you need for understanding the message. To get an idea about abstract photography check out http://de.wikipedia.org/wiki/Abstrakte_Fotografie. Have you ever dared to experience abstract ways in photography or do you feel more warm with sticking to conventions? How I like to watch the students work!
 
To watch them catch the right moment or to see the inspiration brighten their eyes. I have to confess that I am too keen on Lightroom and Photoshop and I am surprised how little the students use postproduction tools. The prefer the out-of-cameraprinciple. I had expected them manipulating raw-data extensively. But nothing! Trees, boats, and ruins – apart from color-corrections and the classical darkroomtechniques they leave their „negatives“ widely untouched. Apart from that I am amazed how extensively they play with focus and out-of-focus.
 
The students’ way of photography is surprisingly fresh and bare to the bone. No detailled and boring discussions about the craft of post-production like many amateurs are used to. Even the cameras show a broad variety. From the smallest one to a middle-format-camera you find one, no stupid chatter. Only the content counts, the message. That easy-going I haven’t experienced photography for a long time.