Die Zunkunft sieht traumhaft aus

Fotografin Silke Floren zeigt eines ihrer Gesellenstücke, eine junge tätowierte Frau.  Foto: Hinzmann

Ich selbst habe ja Fotografie nie „gelernt“, so mit Berufsschule und Ausbildungsvertrag und so. Ein Freund von mir hat seinen Meisterbrief in seinem Studio aufgehängt. Sei wichtig für seine Kunden, sagt er. Macht Eindruck, vermittelt Kompetenz, rechtfertigt den Preis. Aha! Hier in Zingst treffen sich viele junge Fotografen, die gerade ihren Gesellenbrief in der Tasche haben und ab jetzt für ihren Lebensunterhalt knipsen müssen. Eine davon ist Silke Floren - Bild -, die während der Convention an diesem Wochenende am Leistungswettbewerb des Centralverbands Deutscher Berufsfotografen teilnimmt. Sie ist sich sicher, mit ihren Bildern Geld zu machen.
 
Ich habe viele Azubis kennengelernt - was haben die gestöhnt, dass außer Passbildern und Kameras verkaufen wenig los ist in ihrem Berufsalltag. Silke Floren macht einen anderen Eindruck. Die 24-jährige Sauerländerin sieht ihre Zukunft „traumhaft“. „Ich mag diese zarte Atmosphäre, ich mag harmonische Farben, das ist mein Stil“, sagt sie. „Traumhaft“ ist auch der Titel von zweien ihrer Gesellenstücke. Die zeigen zarte junge Frauen in romantischem Ambiente. Ihre krassen Tattoo-Bilder gefallen mir besser. Das Thema war vorgegeben. Hat sie gut gelöst, obwohl das nicht ihre Welt ist. Na, ja, Geschmackssache.

Mit 24 Jahren hat sie jetzt ausgelernt und macht beileibe nicht den Eindruck, sie wisse jetzt nicht, wie es weiterginge. Berufsfotografin, ganz klar. Zingst bestärke sie in diesem Vorhaben, die Einflüsse der Vorbilder seien hilfreich, den eigenen Stil zu festigen. Das ist ihr wichtig: mit einem eigenen Stil gegenüber den Kunden auftreten. Aber flexibel müsse man bleiben. Ich erzähle ihr, dass mein Freund, der Fotografen-Meister ein gutes Auskommen hat, weil er sich nicht zu schade ist, Hund, Katze, Maus, Passbild und sonstwas zu fotografieren. Ja, sagt sie. So kann die Welt eines Berufsfotografen aussehen. Das ist dann so.

Sie legt Wert auf Harmonie in ihren Bildern. Und wenn sie damit einen ihrer möglichen Kunden dazu verleitet zu sagen: „Oooooch, das sieht ja schön aus“, glaubt sie fest daran, mit Fotografie ihr Leben bestreiten zu können. Aber sie kennt auch die andere Seite aus Erzählungen anderer junger Fotografen: Fotografieren, wann immer möglich, und für den Lebensunterhalt ins Call Center. Deshalb schaut auch Silke Floren sich nach einem zweiten Standbein um. Mal sehen, was die Fotografie so bringt. Ich find's jedenfalls klasse, dass so viele junge Menschen immer noch den Mut zu diesem tollen Beruf haben.