Zimmer Deinen Weg aus Deinen Träumen

Fotograf Ralph Mann erklärt einem Seminar-Teilnehmer die Olympus OM-D. Foto: Hinzmann

Fashionshooting  - war bisher gar nicht so mein Ding. Ich hab mich einfach nicht getraut, gibt ja irgendwie schon alles. Oder doch nicht? Und was hab ich überhaupt mit Mode zu tun? Gar nichts, kann man deutlich an meinem eigenen Outfit sehen. Aber wäre ja mal ein Thema für die Zukunft. Ist hier in Zingst ja auch eine Convention, die nicht feiert, was mal war, sondern Menschen anstösst, ihre eigenen Ideen einzubringen. Ralph Man gibt hier einen Fashion-Workshop - nie gehört den Namen, habe zuerst an Man Ray gedacht - Huuups. Aber dass ich Ralph Man - auf dem Foto llinks - nicht kenne, ist ganz klar mein Fehler.

Erstmal ist der Typ ziemlich cool, schnackt nicht geschwollen, ist kein bisschen großspurig, Kumpeltyp. Mit dem würde ich auch zum Fußball gehen. Zweitens ist er gelernter Tischler. Finde ich auch einen schönen Beruf (ist für mich im nächsten Leben auf der To-Do-Liste) - das Material zum Arbeiten ist einfach so wunderschön. Drittens ist Ralph Man Autodidakt. Hat sich sein Wissen also mehr oder weniger selbst draufgeschafft. Respekt! Das nenne ich eine harte Schule. Und ein Blick auf seine Website www.ralph-man.com lässt weit blicken. Der Mann hat eine eigene Handschrift. Also, warum gibt der hier einen Workshop? Weil er aus eigener Erfahrung vermitteln kann, wie man sich aus seinen Träumen eine Zukunft zimmert (oder tischlert). Und darum geht es hier in Zingst. Darum, von den Vorbildern zu lernen und sich auf den eigenen Weg helfen zu lassen.

Also, passt. Ich schau mal rein in den Workshop. Schön minimalistisch. Shooting mit Dauerlicht, na, gut, das Hotel Vier Jahreszeiten ist ja schon mal piekfein und an jeder Ecke badet man im Licht. Aber am erstaunlichsten finde ich, dass die rund zehn anderen Teilnehmer weitestgehend das Angebot annehmen, die neuen kleinen Olympus OM-D-Kameras mit Wechseloptiken zu checken. Ich weigere mich. Ganz einfach deshalb, weil ich schon immer mit großen Kameras gearbeitet habe. Diese Klötze mit Motor dran, als von Nikon F2 an und weiter bis zur Nikon D3X. Obwohl ich eher Pianisten- als Metzger-Hände habe. Das lässt die anderen müde schmunzeln. Sei ja von gestern. Stimmt!

Der Olympus-Mann nötigt mir dann auch kurz eine OM-D auf, ist wirklich schön handlich. Erinnert an die kleinen Leicas, ich komme mir kurz vor wie mein Idol Erich Salomon. Und es ist auch alles dran, was man braucht, aber für mich fühlt sich das fremd an. Ralph Man beruhigt mich, das sei ihm am Anfang auch so gegangen. Man gewöhne sich aber um. Ganz schnell sogar. Na, mal sehen. Ich frage den Olympus-Mann nach Preisen, vielleicht kann ich ja meine Frau damit beglücken, die knipst immer noch mit so einer ollen Mini-Panasonic, aus der die Optik so gefährlich rausgefahren kommt - dann weiß ich schon, dass ich weder wieder wie ein Honigkuchenpferd lächeln darf noch eine Augenbraue effektheischend hochziehen. Der Olympus-Mann sagt was von 600 Euro. Hüstel, hüstel, so viel wollte ich denn doch nicht für meine Liebste ausgeben. Er rät auch strikt davon ab. Er habe seiner Frau mal ein ipod und dann noch richtig gute Kopfhörer geschenkt. Sei gar nicht gut angekommen. Er rät mir statt dessen zu einem fetten Blumenstrauß. Mach ich dann wohl auch besser.

Die männlichen Workshop-Teilnehmer (außer mir) fahren aber total ab auf die OM-D. Ich find's faszinierend, dass eigentlich mehr gefachsimpelt wird. Vor allem die verschiedenen Aufnahme-Modi rufen helles Entzücken hervor. Alle schauen in der Runde auf ihre Bildschirmen, erinnert mich an die Schulhofzeit und das Sammelbildchen-Tauschen. Ich erlaube mir nach einem kurzen Seitenblick, die saudumme Bemerkung, dass ich einen Monitor in schwarz-weiß interessant finde, aber Farbe wäre doch schöner. Hach, was haben die sich alle gefreut. Ist eine individuelle Einstellungs-Möglichkeit. Neben vielen anderen, wie der Olympus-Mann deutlich macht. Klar, versteht sich. Hier in Zingst lernst Du eben nie aus.