Zukunft aus der Druckluftpuste

Thomas Herbrich, Special Effects-Experte referiert auf der Foto-Convention Zingst. Foto: Hinzmann

So langsam entscheidet sich das Jahr, wärmer zu werden. Zeit, mein Motorrad zu entstauben und wieder den Wind zu schmecken. Aber an diesem Wochenende wird das nichts, ich bin lieber wieder mit meinem Foto-Rucksack in Zingst. Na, ja, ich kenne da ja schon so viel, aber wie ich heute schon wieder erleben kann: Die Fotografie bietet mir immer wieder etwas Neues, das mir den Kinnladen herunterklappen lässt. Ich genieße den „Foto-Frühling in Zingst" mit der ersten Foto-Convention in diesem Programm-Jahr. Es ist der Wahnsinn!

Das Wochenende mit den Studenten Anfang März war schon ein krass anspruchsvolles Programm, aber der erste Crack der Szene, Thomas Herbrich - siehe Bild - , hat mich echt vor Neid erblassen lassen: „Fit for Future" lautet das Motto dieses Wochenendes, viele angehende Berufsfotografen sind hier, und allein deren Ausstellung ist schon spannend. Das sind so die ersten professionellen Gehversuche und ich bin erstaunt, was da schon kommt. Ich drücke denen ganz fest die Daumen, dass die künftig mit anderen Sachen ihr Geld verdienen dürfen als nur mit biometrischen Passbildern.
 
Die sollen halt ihrer Fantasie freien Lauf lassen und Mut beweisen ihr Ding durchzuziehen, rät Thomas Herbrich, einer der deutschen Gurus in Special Effects. Wenn Ihr mal die Möglichkeit habt: Unbedingt anschauen, an dem Mittvierziger ist ein Comedian verlorengegangen. Aber im Ernst. Der gelernte Fotograf macht aus Requisiten für kleines Geld ganz großes Kino. Fantasie, Babypuder und Druckluft aus der Pustedose machen riesige Effekte und schaffen ganz neue Welten. Das ist ein eigenes Genre und weit, weit weg etwa von der Portraitfotografie. Aber von Herbrich habe ich gelernt, dass ich ein Bild im Kopf haben muss, um es mit einem Tag Bastelei und ein paar Pfennigartikeln aus dem Baumarkt zu realisieren. Mir macht das Mut. Traut Euch was. Lieber ein Bild weniger produzieren, aber dafür einfach konsequent drauflosspielen. Leute, das ist kein Hexenwerk, probiert Euch selbst mal aus.

Euer eigener Stil entsteht vielleicht erst nach Jahren. Da bin ich dann ja auch noch guter Hoffnung. Aber für diesen Vortrag hat sich der Weg nach Zingst schon gelohnt. 140 Teilnehmer haben sich hier versammelt. Die Veranstalter hatten ein Rundum-Sorglos-Paket gestrickt. Zwei Tage Programm inklusive drei Übernachtungen und Shuttle-Service zwischen Zingst und Hamburg für 269,- Euro. Besser geht nicht. Für mich hat sich diese Auftakt-Veranstaltung schon nach einem halben Tag gelohnt. Schaut einfach immer mal wieder unter www.erlebniswelt-fotografie-zingst.de vorbei, was es dort Neues gibt.